Der große Rheinlandflug – mit dem Gyrocopter über Rhein, Mosel und Vulkaneifel

Hangelar – Siebengebirge – Rheintal – Koblenz – Moseltal – Trier – Vulkaneifel – Ahrtal – Drachenfelser Ländchen – Hangelar

Ein Bericht von Sven von Loga, der unterwegs war mit Tragschrauberpilot Robert Krause von www.sichtflug.com

Das Rheinland von oben. Auf diesem Flug sehen wir all das, was wir sonst nur von unten kennen aus einer bis dahin unbekannten Perspektive.

Mit so einem Bobbycar für den Himmel soll ich nun also stundenlang über den Rheinlanden umher fliegen ….
Meine Sicherheitsausrüstung. Fallschirm? Fehlanzeige.
Start in Hangelar … ich sitze hinter dem Piloten Robert Krause

Wer noch nie Gyrocopter geflogen ist, wird schon beim Start den Atem anhalten. Kaum gestartet, fällt der Blick nach unten und nach wenigen Augenblicke fliegt der Tragschrauber in einigen hundert Metern Höhe in Richtung Siebengebirge.

Im Anflug auf das Siebengebirge

Wenige Minuten später ist es erreicht, unter uns die Rabenley mit Dornheckensee, Blauem See und von oben nicht erkennbarem Märchensee. Den Weintrinker erfreut die Passage über die Weinberge von Oberdollendorf, die Chorruine von Kloster Heisterbach ist hinter den mächtigen Baumwipfeln erst spät erkennbar und schon kreist der Gyrocopter über dem Petersberg und dem Grandhotel, dem einstigen Gästehaus der Bundesregierung.

Blick auf das Siebengebirge von über Bonn 🙂

 

Die Weinberge des Weinguts Blöser in Oberdollendorf

Die Siebengebirgs-Highlights Schloß Drachenburg und die Burgruine Drachenfels sind nur Momente später erreicht, dann dreht der Gyrocopter ab über den Rhein und fliegt von nun an das Rheintal entlang.

Das Hotel auf dem Petersberg, einst Gästehaus der Bundesregierung

 

Schloss Drachenburg

 

Großbaustelle Drachenfels

Rodderberg, Apollinariskirche, vielleicht schauen gar die Unkelsteine aus dem Wasser, die das Material für die Fundamente der Kölner Domtürme lieferten.

Als dunkler Fleck scheinen die Unkelsteine am rechten Rheinufer unter dem Wasser heraus

Neben dem gewaltigen Basaltklotz der Erpeler Ley, den schon Graf Zeppelin mit seinem Flugobjekt besuchte, ragen rechts und links des Rheins die dunklen Türme der einstigen Ludendorff-Brücke empor. Das es der deutschen Wehrmacht einst nicht gelang, sie zu sprengen, war zum Ende des Zweiten Weltkrieges entscheidend für ein schnelleres Ende des Krieges.

Die Erpeler Ley, an ihrem Fuss der rechtsrheinische Brückenpfosten der ehemaligen Ludendorf-Brücke

Von Westen her mündet die Ahr vom Menschen vollkommen unbeeinflusst in den Rhein, keine Mauern, nur Kiesbänke, zwischen denen der kleine Fluss sich hindurch windet. Zum Ende des Fluges werden wir noch staunen, was dieses kleine Flüsschen für ein gewaltiges Tal geschaffen hat.

Ahrmündung

Zusehends verengt sich der Rhein, die Felswände zu beiden Seiten werden höher und steiler, die 400 Millionen Jahre alten Sandsteine immer schroffen, immer wieder werden sie von Burgruinen gekrönt. Doch schon nach Kurzem weitet sich das Flusstal wieder, wir sind über dem Neuwieder Becken, einem tektonischen Senkungsgebiet, das immer weiter nach unten absinkt und als Erdbebenzone gilt. Genau auf einer der tektonischen Bruchzonen erbauten die Ingenieure das Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich. Weil der Gutachter der Landesregierung, Prof.Ludwig Ahorner von der Uni Köln unsachgemäß nicht die schwersten anzunehmenden Beben berücksichtigte, wurde das Kernkraftwerk mit einer zu niedrigen Sicherheitsstufe gebaut, gesichert für Erdbeben der Stufe 8, Stufe 10 wäre notwendig gewesen.
Ein Artikel zum Thema im SPIEGEL
7 Milliarden Euro wurde so praktische in tektonischen Klüften versenkt.

Kernkraftwerk Mülheim Kärlich

 

Abriss des Kühlturms … man beachten den Bagger auf dem Kühlturm

Wir fliegen über das Kernkraftwerk, im Frühjahr 2019 begann der Abriss des Kühlturms, sehen Industrieanlagen, Klärwerke und große Kiesabbaugebiete und steuern geradezu auf das Deutsche Eck bei Koblenz zu.

Deutsches Eck

 

Festung Ehrenbreitstein

 

Festung Ehrenbreitstein

 

 

Festung Ehrenbreitstein und Deutsches Eck

Spektakulär ist die Mündung der Mosel in den Rhein, wir kreisen über dem Deutschen Eck, überqueren den Rhein, umfliegen die gewaltige Festung Ehrenbreitstein und drehen ab die Mosel entlang. Wir kürzen ab über die Eifel, überqueren die A61, drehen nach Süden, betrachten die schöne Hügellandschaft.


Fassungsloses Erstaunen, wenn der Gyrocopter über den Rand des Moseltals fliegt, der Baden sackt weg, so mag es sein, wenn ein Helikopter über den Rand des Gran Canyon schießt. Scheinbar senkrecht fallen die felsände hinunter zur Mosel, wir sehen, was der Winzer als Steillage bezeichnet.

 

 

 

Steillagen an der Mosel bei Winningen

 

 

Welch ein phantastischer Ausblick auf die Autobahnbrücke bei Winningen. Dann geht es runter, die Erde kommt näher, die Landebahn des Flughafen Koblenz-Winningen auch, es ist Zeit für eine Kaffeepause.

Landeanflug am Flughafen Trier-Winningen – am Steuerknüppel Robert Krause

 

Trier-Winnigen

Kaum wieder in der Luft, gestartet in Richtung Koblenz, in großem Bogen zum Fernmeldeturm auf dem Kuhkopf und dann hinein ins Moseltal.

Fernmeldeturm Kühkopf südlich von Koblenz

 

Blick auf Winningen

 

Blick auf Lehmen

Was für ein Erlebnis. Unter uns windet sich die Mosel in ihrem engen Tal, immer wieder zähmen Staustufen den Fluss, auf den Bergen reihen sich die Burgen, die jetzt aufzuzählen hier zu viel wäre, so viele sind es.

 

 

Moselstaustufe Lehmen und die Reiherschussinsel bei Lehmen

Der Fluss mäandriert in scheinbar endlosen Schleifen, genauso endlos scheinen die Weinberge zu sein. Haben wir vorhin noch die Weinberge des Siebengebirges bestaunt, kommen diese und jetzt winzig und verloren vor, bis zum Horizont scheinen die Weingärten der Mosel zu reichen.

 

Burg Thurand bei Alken/Mosel

 

Burg Thurand bei Alken

 

Hatzenporter Werth
Moselkern

 

Staustufe Müden mit Blick auf die alte Landoberfläche

 

Staustufe Müden

 

Treis-Karden. hier: Karden mit Sankt Castor
Treis-Karden, OT Karden

 

Windburgmühle an der Zufahrt zum großen Steinbruch südlcih von Treis-Karden

Bekannte Orte unter uns: Hatzenport, Müden, Treis-Karden, Cochem, hier lassen wir es uns nicht nehmen, die wunderbare Burg Cochem zweimal zu umkreisen.

Reichsburg Cochem

 

Doppelstockbrücke Bullay

 

Marienburg bei Bullay

 

im Anflug auf Ürzig, im Hintergrund die Hochmoselbrücke

Zell, Traben-Trabach, dahinter auf einmal rote schroffe Felsen am rechten Moselufer.

Buntsandsteinfelsen bei Ürzig

 

Hochmoselbrücke bei Ürzig

 

Blick auf Ürzig

Die Buntsandsteinfelsen von Ürzig sind erreicht, wir überfliegen die berühmte Lage „Ürziger Würzgarten“ und können dann unseren Augen kaum trauen. Was für ein Bauwerk! Die neue Hochmoselüberquerung, eine Autobahnbrücke gewaltigen Ausmaßes überspannt die Mosel zwischen Ürzig und Zeltingen in schwindelnder Höhe. Noch ist sie nicht fertig, aber seit vielen Jahren erhitz sie die Gemüter. Geologen erklärten den steilen Hang auf Ürziger Seite als nicht standfest genug für solch ein Bauwerk, Politiker loben sie als wichtig für die Wirtschaft und technische Großleistung, besorgte Moselanwohner befürchten Schäden für Weinanbau und schwerwiegende Verluste für den Tourismus. Noch ein paar Bögen im Flusslauf der Mosel bis Trier am Horizont auftaucht. Wir drehen ab nach Norden und landen auf dem keinen Flugplatz Trier-Föhren, allmählich wird es auch Zeit etwas zu Essen.

Anflug auf den Flugplatz Trier-Föhren

 

 

 

 

 

Und nun wieder Richtung Hangelar … aber das ist noch ein weiter Weg! Welch ein Glück, noch über eine Stunde Flugzeit über die herrliche Landschaft der Vulkaneifel.

Weiter geht es in Richtung Vulkaneifel

 

Ein bißchen folgen wir dem Verlauf der A1, um bei Wittlich abzudrehen in Richtung der Eifelmaare. Eine Ortschaft oben auf dem Berg, noch sind wir unsicher, welche es denn sein mag, dann ein tiefes Tal, darin zwei Burgruinen: die Manderscheider Burgen im Liesertal.

Niedernburg im Liesertal bei Manderscheid

Hier in einem der schönsten Täler Eifel, durch das einer der berühmtesten deutschen Wanderwege führt, stehen sich zwei einst feindliche Burgen ganz eng gegenüber. Warum saßen hier die Truppen des Kurfürsten von Trier nur einen Steinwurf den feindlichen Truppen des Grafen von Manderscheid gegenüber?

 

 

 

Der Landesblick auf dem Kraterrand des Meerfelder Maares

Kurve nach Westen, ein See auf einem Berg, der Windsbornkrater, der einzige Kratersee nördlich der Alpen – kein Maar! Aber dann kommt das Maar, das größte der Eifel, unendlich beeindruckend, welche ein Krater: das Meerfelder Maar! Keines hat einen größeren Durchmesser, kein Kraterwall ist höher. Wir kreisen, klitzeklein da unten der Aussichtsturm, auf dem ich schon einmal stand. Aber der Gyrocopter kann es, er geht runter, ganz nah dran vorbei, dahin die Landebahn für Segelflugzeuge, wir könnten landen, wollen es aber nicht.
Nur Minuten später wieder Maare, die drei berühmtesten, die Dauner Maare.

Die Dauner Maare kommen in Sicht
Das Schalkenmeer Maar. Noch vermißt: das Gmündener Maar

 

Gmündener Maar

 

Gmündener Maar

 

Dauner Maare

Wir sehen nur zwei Maare, suchen verzweifelt das dritte, das Gmündener Maar, es liegt zu tief in seinem Talkessel, erst als wir am Dronketurm vorbei geflitzt sind, liegt es unter uns. Apropos flitzen … das wunderbare am Gyrocopter ist, dass er auch mit 50 km/h fliegen kann. So langsam, so gemütlich, da ist Zeit, die Landschaft in Ruhe anzuschauen. Kein Vergleich zu einem Flugzeug, das dagegen raketengleich am Himmel entlang schießt und oft die Möglichkeit zur genauen Aussicht missen läßt.

 

 

Nürburgring

 

Nürburgring

 

 

Über Daun und Kelberg geht der Flug, dann der Nürburgring. Er liegt verlassen, kein Rennen, was wäre das für ein Erlebnis, wenn dort unten nun gerade der Große Preis ausgetragen würde. Das Dröhnen der Motoren hätten wir schon lange gehört.

Nürburg

 

Nürburg

 

Nürburg

Und dann wird die Eifel so richtig wild. Nur noch Wälder, keine Siedlungen, hier und da ein vereinzeltes Haus. Wir überfliegen die Hohe Warte, passieren die Hohe Acht, den höchsten Gipfel der Eifel mit dem Kaiser-Wilhelm-Turm – Orientierungsmarken.

zwischen Hoher Acht und Teufelsley

 

Teufelsley bei Hönningen

Mitten in der Orientierungslosigkeit, ein Felsen ragt aus dem Wald. Er erscheint uns bekannt – die Teufelsley bei Hönningen, der mächtigste Quarzit der Eifel.

im Anflug aufs Ahrtal

 

Teufelsloch

 

Altenahr

Und dann bleibt nur noch Staunen: das Ahrtal! Nirgendwo ist die Eifel so wild, sind die Felswände so steil, die Schluchten so krass. Ist die Landschaft des Ahrtales schon für den Wanderer beeindruckend, aus der Höhe ist dieses junge Flusstal, gerade mal eine Millionen Jahre alt, von unübertroffener morphologischer Dramatik. Hier hat die Erosion noch nicht damit begonnen, die Höhen wieder einzuebnen. Am Steinerberg vorbei, über das Teufelsloch und die Ahrschleife von Ahrbrück, die Engelsley, auf deren Gipfel ich einst stand. Burg Aare, die Saffenburg …

Burg Aare

 

Blick auf Reimerzhoven

 

Schrock und Teufelsley

 

Kloster Marienthal

 

Kloster Calvarienberg

 

Ahrweiler

 

Landskrone

Vor der Landskrone drehen wir ab nach Norden und halten zu auf das schon von Weitem sichtbare Radom von Wachtberg. Die weiße Radarkugel des Fraunhofer-Instituts ist praktisch aus allen Richtungen gut sichtbar.

Am Horizont : das Radom in Wachtberg-Berkum

 

Radom Berkum

Mit Blicken auf das abendliche Siebengebirge im beginnenden Sonnenuntergang steuern wird den Flugplatz von Hangelar an, landen sanft und sind eigentlich sprachlos dank der vielen wunderbaren Eindrücke.

Ist so ein merkwürdiger Gyrocopter eigentlich sicher? Wieviel Sekunden haben wir beim Ausfall des Motors bis zum Aufschlag auf der Erde ?

Nun er wird gar nicht aufschlagen, der der große Rotor über unseren Köpfen wird von keinem Motor, sondern vom Fahrtwind angetrieben. Selbst wer der kleine Motor am Heck ausfällt, dreht sich der Rotor immer weiter. Der Pilot leiten dann einen Sinkflug ein und landet irgendwo auf einer Straße, einem Parkplatz, einem Feldweg, notfalls auf einer Wiese. 10 Meter Landebahn reichen uns und der Gyrocopter steht.

Informationen zum Gyrocopter