Kategorie-Archiv: Rheintal

Als der Rhein noch konnte, wie er wollte … in der Urdenbacher Kämpe

Urdenbach-2017-01-0069-1000Das waren noch Zeiten für den Rhein, als er noch nicht eingedeicht war, noch nicht begradigt und ausgebaggert, damit große Frachtschiffe auf ihm fahren können. Einst floss der Rhein, wie er wollte, er verbog sich, mäandrierte. Gelegentlich änderte er sein Bett. Während in den Eiszeiten sein Bett noch von breiten Kiesbänken geprägt war, bestimmten in den letzten Jahrtausenden und Jahrhunderten eher sumpfige Auenwälder das Bild. Regelmäßig stieg der Rhein aus seinem Bett, das Hochwasser überflutete weite Gebiete vor allem in den Schlingen seiner Mäander, meterhoch standen diese Gebiete oft unter Wasser.

Nur bedingt fand dies früher den Zuspruch der Rheinanwohner. Diese Gebiete waren sumpfig, oftmals nicht zu passieren und auch nicht zu besiedeln, Moskitos brüteten darin und mache die Sumpfgebiete zur gesundheitlichen Gefahr.

Die Urdenbacher Kämpe ist ein solches Gebiet, ein alter Rheinarm, der einst bei der Begradigung des Flusses abgeschnitten wurde. Der alte Flußverlauf ist noch gut zu erkennen und das wird sich auch nicht ändern, denn die Urdenbacher Kämpe steht unter Naturschutz. Kein Deich trennt das Gebiet des Altarm vom Rhein, wenn der Rheinpegel steigt, läuft die Kämpe voll und steht schon einmal fast zwei Meter unter Wasser. Gelegentlich an Pfählen angebrachte Hochwassermarken zeigen die Wasserstände an. Wertvolle Feuchtgebiete haben sich dadurch entwickelt, Auenwaldgebiete begleiten den alten Flusslauf, überall lauern Fischreiher auf Beute,


Viele Vögel brüten im Unterholz, aber auch die vielen Kopfweiden und die Obstbäume auf den alten Streuobstwiesen sind wichtige Brutplätze für viele Vogelarten. Auf den Wiesen blühen viele seltene Pflanzen.

Die Urdenbacher Kämpe ist durch einige gut gekennzeichnete Wanderwege von verschiedener Länge zwischen 3 und 12 km gut erschlossen. Im Norden des alten Rheinarms, das ist ganz im Süden von Düsseldorf-Urdenbach, findet sich der Parkplatz „Piels Loch“, an dem etliche der Wanderwege starten, eine große Tafel beschreibt sie. Auch von der linken Rheinseite ist die Urdenbacher Kämpe gut zu erreichen. Das Auto läßt man in Zons stehen, fährt mit der Rheinfähre Zons-Urdenbach über und steht schon auf dem Wanderweg, der durch die Rheinwiesen führt.

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Die Wege sind ohne jede Steigung und deshalb leicht zu gehen, allerdings, oftmals sind sie recht matschig. Wenn es noch nicht lange her ist, das der Rhein in das Gebiet der Kämpe eindrang, dann sind in jedem Fall Gummistiefel notwendig.

Die Kämpe stellt auch einen wichtigen Retentionsraum dar, in den bei Rheinhochwasser das Wasser eindringen kann und so der Rheinpegel weiter unterhalb weniger schnell ansteigt. Für die Bewohner in Rheinnähe kann dies bedeuten, das ihre Häuser vielleicht deshalb nicht überflutet werden. Früher gab es entlang des Rheins zahllose Altarme und Auenwälder, die bei einem Hochwasser voll liefen und und so ein übermäßiges Ansteigen des Rheinpegels weiter der Fluss entlang verhinderten. Die Eindeichungen des Rheins jedoch haben immer folgenschwerere Hochwässer zur Folge.

 

 

 

neue Wanderführer für die Rheinlande

Ich bin lange auf Exkursionen gewesen und habe intensiv die Geologie der Westeifel und der Rheinlande untersucht. Jetzt zum Herbst sind soeben zwei neue Geo-Exkursionsführer erschienen.

EXPEDITION RHEINLAND 

16 spannende Wanderungen durch die Erdgeschichte

Das Rheinland erlebt seit Millionen von Jahren spektakuläre, geologische Phänomene: Gebirge entstanden und verschwanden, in der Niederrheinischen Bucht gediehen sumpfige Urwälder, Ozeane mit gewaltigen Korallenriffen bildeten sich und die Nordsee brandete einst bei Bonn an ihre Küste. Auf 16 landschaftlich beeindruckenden Wanderungen stellt Geologie-Experte Sven von Loga die erdgeschichtlich spannendsten Ziele im Rheinland vor. Erkundungsfreudige Abenteurer erleben eine faszinierende Zeitreise, angefangen bei den ältesten Gesteinen im Bergischen Land über das durch Vulkanausbrüche entstandene Siebengebirge bis zu den jüngsten Ablagerungen, den Kiesstränden am Rhein. Ein rundum anschaulicher und informativer Einblick in die geologische Vergangenheit des Rheinlandes und ein einmaliges Wandervergnügen, das zum aktiven Entdecken und Erforschen der historischen Spuren einlädt.

J.P.Bachem-Verlag, Köln
192 Seiten, zahlreiche Farbfotos und Kartenskizzen, broschiert.
EUR 14,95
ISBN 978-3-76163144-7
Dies sind die Exkursionen :

01 – Lindlarer Grauwacke
02 – Stromatoporenriffe in Bergisch Gladbach
03 – Schrock und Teufelsley bei Altenahr
04 – Landskrone im Ahrtal
05 – Historischer Erzbergbau am Lüderich
06 – Buntsandstein bei Nideggen
07 – Sophienhöhe und Braunkohle
08 – Siebengebirge
09 – Erpeler Ley und Unkeler Falte
10 – Drachenfelser Ländchen
11 – Kluterthöhle bei Ennepetal
12 – Osteifel bei Ettringen
13 – Rodderberg bei Bonn
14 – Wahner Heide
15 – Königsforst
16 – Rheinkiesel am Rheinufer bei Porz

Die Touren sind auch als Track für das GPS-Gerät verfügbar. Hier geht es zum Download

 

12 Wanderungen zu den Vulkanen der Westeifel

Erkunden Sie mit den Geologen Sven von Loga und Dr. Martin Koziol (Maarmuseum Manderscheid) auf 12 Wanderungen das Land der Maare, die vulkanologische und geologische Entstehungsgeschichte der Westeifel.

21 x 10,5 cm, 128 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen und Kartenskizzen, broschiert.
Eifel-Verlag
ISBN 978-3-943123-16-6
Alle Wanderungen als gpx-Track für GPS-Geräte verfügbar
Preis EUR 7,00

Die Exkursionen führen in diese Regionen :
• Steffeln und Duppach
• Mosenberg und Windsbornkrater bei Manderscheid
• Meerfelder Maar
• Eckfelder Maar
• Dauner Maare
• Dreiser Weiher und Umgebung von Dreis
• Ahrensberg
• Rother Kopf
• Vulkangruppe von Bad Bertrich
• Rockeskyller Kopf
• Strohn
• Gerolstein zwischen Munterley und Kasselburg

 

 

Die Schätze des Rheins

Denk man an den Rhein und Schätze, kommt meist zunächst das Rheingold in den Sinn. Märchenhaften Goldberge, die die Nibelungen irgendwo versteckt haben. Vielleicht im Rhein versenkt haben ?
Aber das ist ein anderes Kapitel.

Das Rheinufer bei Porz-Langel

Das Rheinufer bei Porz-Langel

An den Ufern des Rheins sind andere Schätze zu finden, die sich auch bei gemütlichen Spaziergängen sammeln lassen. Alleine das normale Rheingeröll ist hochinteressant, erzählt es doch eine ausführliche Geschichte. Ein Granit hat die Reise vom Schwarzwald bis in die Rheinlande gemacht, irgendwann erreicht er die Nordsee, wenn ihn die ständige Bewegung bis dahin nicht zerrieben hat. Sandsteine und Quarzite kommen aus der Eifel und sind Zeugnisse eines Meeres, das dort vom 400 Millionen Jahren im Erdzeitalter Devon existierte. Weiße Milchquarze zeugen davon, das diese Gesteine zu einem gewaltigen Gebirge aufgefaltet wurden.

Im Erdzeitalter Perm brachen im Gebiet des heutigen Saar-Nahe-Berglandes Vulkane aus und überfluteten die Erde mit viele Zehner-Meter-mächtigen Lavadecken. In diesen Vulkaniten stecken wunderschöne Achate, die die Nahe in den Rhein transportiert und die sich am Rheinufer aufsammeln lassen. Aber auch Jaspis, Karneol und Bergkristall finden sich.

Auch Fossilien sind in den Rheingeröllen zu finden. Aus den devonischen Sedimenten der Eifel stammen fossile Brachiopoden, Korallen und Seelilienstilglieder. Grauwackegerölle aus dem Bergischen Land enthalten ebenfalls Seelilienstilglieder. Hornsteine aus der Jura- und Kreidezeit können Seeigelreste enthalten. Selten finden sich Ceratiten und Ammoniten, spiralisierte Tintenfischgehäuse, diese Funde macht man eher am Oberrhein.

Nicht selten ist versteinertes Holz, das aus den Keupergesteinen Frankens stammt.

Die Rheinablagerungen bildeten sich ganz überwiegend während der Eiszeiten im Quartär, während der letzen paar hunderttausend Jahre. Und in diesem Zeiten wandelte so einiges durch das Gebiet des Rheins : Wisente, Hirsche, Pferde und Mammutherden zogen umher. Auch ihre Überreste, Zähne und Knochen, finden sich in den Rheinschottern.

Wo finden sich denn all diese Schätze ? Grundsätzlich überall am Rhein, an denen der Rhein Gerölle ablagert. Schöne Kiesstrände finden sich unter anderem bei Königswinter-Niederdollendorf, bei Porz-Langel, am Weißer Bogen, bei Köln-Niehl, bei Leverkusen-Hitdorf und gegenüber bei Köln-Langel, bei Düsseldorf-Oberkassel und immer weiter den Rhein hinauf.

Bei Brohl endet das enge Mittelrheintal. Oberhalb davon finden sich keine Rheinschotter. Sicherlich, ein paar Gerölle liegen schon hier und da am Ufer herum, aber die wirklichen Ablagerungen des Rheins finden sich erst mit Beginn der Niederrheinischen Bucht.

Wer Rheingerölle in den Rheinlanden sammeln und bestimmen will, dem empfehle ich mal den von mir mit verfassten Kosmos Naturführer

Hier die Infos

In jeder Buchhandlung erhältlich.

Märchenhaftes Rheinufer in Porz-Langel

Porz-Langel. Südlichster Stadtteil von Köln, verträumt, abgelegen und von den Kölnern oft gar nicht zur Kenntnis genommen. Viele wissen gar nicht, das es diesen Stadtteil gibt. Aber das ist gut so, denn so ist der Rheinbogen bei Langel immer noch ein Geheimtipp.

Langel ist Überflutungsgebiet in jeder Hinsicht. Direkt am Rhein gelegen, durch mächtige Deiche geschützt, gehen wir hinter der Kirche hinunter an den Rhein, passieren ein Hochwassersperrwerk, das an einem gewissen Pegelstand geschlossen wird, immer geradeaus.

Rechts des Weges liegen ein paar verträumte Teiche, in denen der Langeler Angelverein jetzt sein Revier hat, alte Weiden lassen ihre Äste ins Wasser hängen, Wasservögel schätzen diesen Ort.

Wir gehen geradeaus ans Rheinufer, je nach dem, wie der Wasserstand des Rheins ist, liegen weite Sand- und Kieselstände vor uns. Die Sandstände sind von Rheinmuscheln übersäht, in den weiten Geröllbänken finden wir Achate, Jaspis und Karneol, schöne Treibhölzer eigen sich für Dekozwecke. Enten, Möwen, Schwäne, Kormorane, Gänse und andere Wasservögel lassen sich beobachten. Wir können nach links gehen, immer am Rheinufer entlang, immer über die Kieselsteinbänke, bis wir das Kölner Stadtgebiet verlassen und in Niederkassel angekommen sind. Gegenüber liegt Wesseling, das krasse Gegenteil. Die Kühltürme des Kraftwerks glitzern in der Abendsonne wunderbar, eine Welt voller Röhren und Raffinerieanlagen macht die andere Rheinseite zu einem gebiet, das man lieber nur von ferne sehen möchte.

An vielen Stellen läßt sich das Rheinufer auf schmalen Pfaden verlassen, durch den Langeler Auwald hindurch gelangen wir etwas hangaufwärts auf den Deich und blicken in einen großen Polder, der im Ernstfall geflutet werden kann. Ernstfall heißt, der Pegel des Rheins steigt dermaßen an, das die Stadt Köln bedroht ist, dann wird dieses Gebiet geflutet, die Felder laufen voll und der Pegel in der Kölner City sinkt um ein paar – vielleicht entscheidende – Zentimeter.

Der Langeler Auwald und die Lülsdorfer Weiden werden regelmäßig vom Rhein überflutet, sie sind dem Deich vorgelagert. Noch wachsen hier überwiegend Pappeln, die aber nach und nach durch die typischen Auwaldbäume wie Esche und Bergahorn ersetzt werden. Ein Naturschutzgebiet, das noch ursprünglich ist, wie einst die Auwälder am Rheinufer vielerorts waren. Sumpfiges Unterholz, umgefallene Baumriesen, die langsam vor sich hinmodern, eine Welt wie aus Mittelerde. Der Auwald läßt sich durchwandern, der markierte KölnPfad führt mitten hindurch. Ganz besonders spannend ist der Auwald in den frühen Morgenstunden, wenn hier noch die Nebel knapp über der Erde hängen und die ersten Sonnenstrahlen durch die Wipfel brechen.

Oben auf dem Deich führt ein geteerten Radweg entlang, der Rheinradweg, auf ihm kommen wir gemütlich wieder nach Langel zurück.

Übrigens : wenn sie die Kiesbänke am Rheinufer nicht finden, dann ist Hochwasser. Dann kommen Sie ein anderes mal zurück.

 

Schatzsuche am Rheinufer

Menschen sammeln meist Steine und Muscheln, wenn sich Gelegenheit dazu bietet. Am Strand, in den Bergen und auch am Ufer der Flüsse. Wenn der Wasserstand nicht zu hoch ist, dann sind die Rheinufer zwischen Bad Honnef und Düsseldorf teilweise mit Kieselsteinen übersäht. Diese Steine sind nicht nur schön, sie verraten dem Sammler auch allerhand über die Erdgeschichte und die Geologie Deutschlands. Was sind es für Gesteine, wo kommen sie her, wie sind sie entstanden, warum liegen ausgerechnet sie hier am Rheinufer ? Rheinkiesel-Bonn-033-1000 Zunächst mal nennt man die Steine „Gesteine“, Steine gibt es auf der Baustelle : Ziegelsteine, Pflastersteine, unsere Kieselsteine nennen man korrekt „Rheingerölle“, der Rhein hat sie nämlich gerundet, weil sie jahrelang an seinem Grunde entlang gerollt sind. Und dennoch zeigt sich hier das erste Problem, denn neben all dem echten Gesteinen gibt es doch eine ganze Menge Steine. Es finden sich Bruchstücke von Ziegelsteinen, die rund gerollt wie roter Sandstein aussehen, Scherben von Badezimmerkacheln oder Hochofenschlacken, die erst einmal vom Naturstein unterschieden werden wollen. Aus das Wort „Kieselsteine“ ist nicht korrekt, denn es leitet sich vom Begriff Kieselsäure ab, das ist Quarz. All die weißen Rheinkieselsteine, die in großer Menge am Rheinufer liegen, das ist reiner Quarz, sie verdienen den Namen zurecht, alles andere sind eben „Rheingerölle“. Der Vielzahl aber macht das Gerölle sammeln am Rheinufer so interessant, denn jeder von ihnen erzählt eine ganze Geschichte. Aber mal von vorne. Felsen, ganze Gebirge, verwittern zu kleinen Bruckstücken, Bäche spülen sie in kleine Flüsse, diese in größere Flüsse, diese wiederum münden letztendlich in den Rhein und immer werden die Gerölle mitgeführt. Der Rhein entspringt in den Alpen und schon hier wird ordentlich Geröll mitgenommen, das aber leider das Kölner Rheinufer selten erreicht, denn es gibt das große Sammelbecken Bodensee, in dem jegliches Geröll aus den Alpen liegen bleibt. Erst wenn der Bodensee damit vollkommen zugeschüttet ist, mag sich das ändern, aber das dauert noch geologisch lange Zeiträume. Aber aus den Schweizer Alpen bringen Aare und Ill Material in den Rhein, das allerdings das Rheinland nur sehr selten erreicht. Deshalb finden wir am Kölner und Bonner Rheinufer überwiegend Gesteine, die der Rhein hinter dem Bodensee einsammelt. Beispielsweise Granite, die er aus dem Schwarzwald mitbringt. Rheinufer - 011-1000Sandsteine und Quarzite aus Hunsrück, Taunus und aus der Eifel, Basalte aus dem Siebengebirge. Blickt man auf die geologische Karte Deutschlands, sieht man durch welche erdgeschichtlichen Formationen der Rhein fließt und welche Gesteine dort vorkommen, sind sie typisch, kann man sie in Köln identifizieren und diesem Ursprungsgebiet zuordnen, bei allen Gesteinen ist das aber nicht möglich. Aber nicht nur das Einzugsgebiet des Rheines müssen wir betrachten, auch seine Nebenflüsse schaffen Material heran. Typisch sind die tiefscharzen Lydite aus dem Frankenwald, die der Main mit sich führt. Der Neckar beteiligt sich mit roten Sandsteinen, aus denen fast die ganze Heidelberger Altstadt erbaut wurde. Aus dem Saar-Nahe-Gebiet von finden wir Melaphyre, das sind Vulkanite die die Gebirge rund um Idar-Oberstein bilden, in den viele Sammler Jagd nach Amethysten und Achaten machen. Und so finden sich am Rheinufer gelegentlich auch schöne Achate. Kleinere Flüsse wie die Nette bringen aus der Laacher-See-Region Bims mit, eine ganz leichte Lava, die dort vor 12.800 Jahren der Laacher-See-Vulkan ausgespuckt hat. Bims schwimmt sogar auf dem Wasser. In großer Zahl finden sich Sandsteine und Quarze, vorwiegend aus der Eifel. Wir müssen also erst mal Sedimente wie Sandsteine von Tiefengesteinen wie Granit und Vulkaniten (ausgeflossener Lava) wie Basalt, Melaphyr und Bims unterscheiden. Harte Gesteine müssen viel länger unterwegs sein, um gut gerundet zu werden, bei weichen Gesteinen geht das schneller. Auch daraus kann man Rückschlüsse ziehen, wie weit denn der Transportweg gewesen könnte. Basalte sind hart und am Rheinufer meist kantig, der Weg vom Siebengebirge ist nicht weit. Vielleicht ist er auch noch viel kürzer, denn auch die Kölner Uferbefestigungen bestehen zum großen Teil aus Basaltsäulen.

Ein Basalt aus dem Siebengebirge, gefunden am Kölner Rheinufer

Ein Basalt aus dem Siebengebirge, gefunden am Kölner Rheinufer

Ganz schön spannend, was die Gerölle des Rheins so alles zu erzählen haben. Es ist einen Ausflug wert, ein paar Stunden am Kölner Rheinufer zu verbringen und Gerölle zu sammeln, sie sind nicht nur schön, sondern auch ihre Bestimmung ist eine interessante Aufgabe. Da sammelt man doch am besten so lange, bis man von jeder vorkommenden Art ein schönes Muster hat und erstellt eine kleine Statistik, welches Gesteine häufig vorkommt und welches selten ist. Geologen sind natürlich immer mit Hammer (und Schutzbrille wegen herumfliegender Gesteinssplitter !) unterwegs. Gesteine müssen immer zerschlagen werden, um sie korrekt anzusprechen, nur frische Bruchstellen sollten angeschaut werden, denn durch oftmals jahrhunderte lange Umwelteinflüsse kann sich die Oberfläche ziemlich verändert haben. Es gibt auch noch Gesteine, die schaffen den Weg bis in unsere gar nicht, wie etwa die

Achat vom Kölner Rheinufer

Achat vom Kölner Rheinufer

Kalksteine, die eigentlich aus Schwaben kommen sollten. Aber Kalk löst sich in saurem Wasser, der normale pH-Wert des Rheinwassers ist dazu sauer genug, weshalb sich jeglicher Kalk auf seinem Weg nach Köln längst aufgelöst hat. Übrigens : im Rhein wurde auch schon Gold gefunden. Von daher gesehen könnte Ihr Ferienausflug zu unverhofftem Reichtum führen , aber ganz ehrlich : die kleinen Goldflitter sind winzig und sehr selten, sammeln Sie dann besser Achate.Rheinufer mit Geröllen an der Köln-Mülheimer-Brücke

Lust auf eine Rheinkiesel-Exkursion ? Dann klicken Sie HIER.

 

 

Hoch oben über dem Rheintal : die Erpeler Ley

Das ist doch mal eine herrliche Wandertour. Gigantische Aussicht über das Rheintal, für die Pause eine Restaurant auf der Erpeler Ley, kleine Pfade, durch Weingärten und vorbei an der gewaltigsten Basaltformation des Rheintales.

Rheintal-Panorama von der Erpeler Ley

Streckenbeschreibung
Die Tour beginnt direkt zünftig mit dem Aufstieg zur Erpeler Ley, die grandiose Aussicht von hier oben lässt sich so zu Beginn und zum Ende der Tour genießen. Über Orsberg führt der Weg zum Stuxberg und dann herab ins Rheintal, vorbei an schönen devonischen Gesteinsformationen. Kurz vor Ende stehen wir inmitten der Basalte der Erpeler Ley.

Streckenlänge : 10,8 km
Wanderzeit : 4 Stunden
Startpunkt : Bahnhof Erpel
Schwierigkeitsgrad : mittelschwer

ÖPNV
Mit der Regionalbahn über Bonn-Beuel nach Erpel.

Wir verlassen den kleinen Bahnhof Erpel und überqueren die schon vom Bahnhof aus sichtbare Brücke über die Eisenbahn, sehen direkt gegenüber ein Heiligenhäuschen, gehen links daran vorbei in die Erpeler Ley Strasse, die nach einer Wiese rechts abknickt. Bald zweigt nach rechts der gut ausgeschilderte Wanderweg hoch zur Erpeler Ley ab, da oben wollen wir hin.
Zunächst erkennen wir auf dem Boden des Weges immer wieder gut geschichtete Sandsteine und Schiefertone, je weiter wir nach oben kommen nehmen Basaltbrocken an Häufigkeit zu.
Plötzlich verlassen wir die Bäume, links neben uns liegt das Restaurant auf der Erpeler Ley, aber wir gehen gerade aus zum großen Kreuz und genießen den wunderbaren Ausblick auf das Rheintal, auf die Osteifel, die unter uns liegende Brücke von Remagen und die Apollinariskirche auf der anderen Seite des Rheins. Nach links blicken wir Richtung Linz ins immer enger werdende Mittelrheintal. An einer Wegekreuzung biegen wir nach rechts vom Rheinsteig ab und gehen auf dem geteerten Fahrweg weiter Richtung Stuxberg.

Immer weiter folgen wir dem Weg, der nun deutlich hangabwärts führt, vorbei am Haus der Familie Schumacher, bis wir fast an der Strasse im Tal sind. Vorher jedoch folgen wir dem Wegweiser zum Aussichtspunkt Stux und erreichen über einen kleinen Pfad die Stuxhöhe, einen Aussichtspunkt über das Rheintal mit gemütlicher Liegebank. Wir blicken auf den Rhein, auf die Apollinariskirche, das gelbe Schloß Marienfels auf Sandsteinklippen stehend, direkt gegenüber schaut Haus Ernich aus dem Wald hervor.

Aussichtsbank auf dem Stuxberg
Wieder zurück vom Aussichtspunkt auf dem Wanderweg machen wir uns hinab ins Rheintal, halten uns links, wählen einen schmalen Durchgang durch die Hecken mit Holzstufen, gelb markiert als Rheinsteig-Zuweg. Der Weg führt uns über gut geschichtete unterdevonische Schiefergesteine. An der Straße biegen wir links ab am Stuxhof vorbei.
Wer aber Stärkung braucht, kann über etwas baufällig wirkende Fußgängerbrücke die Bundesstrasse überqueren und im Schnellimbiß gegenüber etwas zu essen und zu trinken finden.
Hinter dem Stuxhof jedoch folgen wir dem Weg zwischen Kita und Grillhütte durch die Weinberge und betrachten immer wieder die imposanten Sandsteine des Devonzeitalters, die den Stuxberg bilden. Steil stehen hier die Sandsteine der Siegener Schichten, die dem Erdzeitalter Unteres Devon angehören und etwa 400 Millionen Jahre alt sind. Die gesamte lange Wand hinter den Weinbergen ist eine Faltenstruktur.
Sedimente, so hart sie auch sein mögen, können durch tektonische Bewegungen zerbrochen, aber in langen Zeiträumen auch gefaltet werden. Das ist so als schiebt man ein Tischtusch zusammen, manche Falten gehen nach unten, das sind in der Geologie die Mulden, manche Falten gehen nach oben, das sind die Sättel. Manchmal kippt eine Falte auch um, dann spricht man von einer überkippten Falte. Genau das ist hier geschehen, wir stehen an der Falte von Unkel. Nach Norden hin ist die große Falte überkippt, man sieht sehr steil stehenden Schichten, nach Süden läuft sie sanft aus. Vor dieser Wanderung empfiehlt sich dementsprechend der Tischdeckenversuch, im Gelände versuchen wir, diese Strukturen wieder zu erkennen. Wir schauen uns diese Gesteine genauer an und werden sie als Sandsteine identifizieren. Manche Partien sind feineren Korns, sie werden tonig. Häufig sind Fossilien darin zu finden, diese kleinen runden Scheibchen, die Seelilienstielglieder.

In den Weinbergen von Unkel
Direkt vor Burg Vilzelt biegen wir links ab Richtung Wald, gehen durch ein Gatter und folgen dem Pfad hangaufwärts.
Nach kurzen trifft von links wieder der Rheinsteig auf unseren Weg, wir folgen ihm ein Stück nach rechts, verlassen ihn aber an der ersten Möglichkeit nach links und folgen diesem Weg hangaufwärts. Nach etwa 350 Metern sehen wir im Wald Überreste eines Seilbahnständers. Auf der Hochebene wurde einst Ton abgebaut, der mit einer Seilbahn ins Tal zu den Tonwerken Erpel gebracht wurde.

Oben erreichen wir eine asphaltierte Strasse, auf der wir schon auf der Hintour entlang gewandert sind, biegen nach rechts ab und folgen ihr bis zu den Häusern von Orsberg. Dort rechts in die Orsberger Straße und nach 150 Metern links der Rheinsteig-Markierung folgen. Rechts dieses Weges erkennen wir ehemalige Braunkohlegruben. Im 19.Jahrhundert wurden hier geringmächtige Flöze eine feinschichtigen Algenblätterkohle abgebaut, die zur Energiegewinnung für die Dampfmaschinen in den Steinbrüchen und Tongruben verwendet wurde. Etwa 25 Millionen Jahre ist es her, als sich hier in einem subtropischen See Algen und anderen Pflanzen ablagerten und die Braunkohle bildeten. Auch Fossilien wurden in diesen Ablagerungen gefunden, neben vielen Pflanzenfossilien auch ein Riesenfrosch.
Kurz hinter den Gruben erreichen wir wieder den geteerten Fahrweg, überqueren ihn und gehen die Strasse geradeaus, um dann an der ersten Möglichkeit nach rechts in den Wald abzubiegen. Dem Weg folgen wir etwa 500 Meter, bis er sich nach links und rechts gabelt. Links ab könnten wir jetzt einen Abstecher zur Steffens-Brauerei machen (beschrieben in Tour 10) sonst gehen wir rechts ab, bis wir wieder auf dem Rheinsteig sind, dem wir dann eine Weile folgen. Nicht nach rechts zur Erpeler Ley abbiegen, sondern rechts halten Kasbach. Natürlich wollen wir zur Erpeler Ley, aber nicht wieder oben aufs Plateau, sondern wir wollen die Ley von unten ansehen und die grandiosen Basaltstrukturen kennen lernen, die diesen Berg so faszinierend machen. Sobald wir in der Ortschaft Kasbach sind, gehen wir auf der Strasse durch den Ort Richtung Rhein, biegen aber vor der Eisenbahnunterführung nach rechts auf den markierten Radfahrweg ab, der uns direkt an den Fuß der gewaltigen Basaltfelsen führt.

Basalte der Erpeler Ley
Die Erpeler Ley war einst ein rundlicher Vulkanschlot von etwa 400 Metern Durchmesser, das Gestein nennt sich Nephelin-Basanit und ist ein basaltisches Gestein. Ganz wunderbar sind die Basaltsäulen, die die Lava im Zuge Ihrer Abkühlung gebildet hat, selten sie man so schön ausgebildete Sälen auf derart großer Fläche. Wir wandern direkt unterhalb des gewaltigen Felsens entlang und entdecken von allen Seiten immer wieder neue Strukturen, Basaltsäulen, die sich auffächern, die nach rechts und links abdrehen, die scheinbar übereinander fließen. In die devonischen Sedimente, in die Sandsteine und Schiefer drang einst die Lava ein, aber nicht einmal, sondern wiederholt, quetschte sich in den Schlot, füllte neue Spalten und kühlte natürlich in andere Richtungen ab als die bereits vorhandene Lava. So bildeten sich Säulen, die in andere Richtungen zeigen.

Brücke von Remagen-1000
Diese Stelle ist nicht nur erdgeschichtlich interessant , sondern auch geschichtlich von größter Bedeutung. Hier an den Basalten der Erpeler Ley stehen wir direkt an der Brücke von Remagen. Die einstige Ludendorf Brücke überspann hier einst den Rhein. Zum Ende des zweiten Weltkrieges zog sich die deutsche Wehrmacht über den Rhein zurück und wollte diese Brücke sprengen, was mißlang. Verwundert standen die amerikanischen Truppen vor einer intakten Rheinbrücke, konnten den Rhein einfach überqueren und einen Brückenkopf rechts des Rheins errichten. Das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Befreiung Deutschlands wurde an der Erpeler Ley erheblich beschleunigt.